Eine leidenschaftliche Wegbereiterin der Gastronomie- und Ausbildungswelt | "Wir müssen junge Menschen dort abholen, wo sie stehen. Mit Empathie, aber auch mit klaren Werten..."

Das Interview wurde am 7. Juli 2025 von Friedhelm Josephs und Hans-Günter Platz in Metzingen geführt. Das Lieblingsgericht von Eva-Maria Rühle finden Sie am Ende... Guten Appetit!

Persönlichkeit & Biografie

Eva-Maria Rühle, geschäftsführende Gesellschafterin der Reha-Klinik Schwäbische Alb, Vizepräsidentin des DEHOGA Baden-Württemberg und jahrzehntelang engagierte Vorsitzende im Berufsbildungsausschuss, steht wie kaum eine andere für Kontinuität, Veränderungsbereitschaft und menschliche Nähe in der deutschen Gastronomie- und Ausbildungsszene. Sie ist Mitglied in der Gastronomischen Akademie Deutschlands (GAD).

Charaktereigenschaften

Eva-Maria Rühle vereint in außergewöhnlicher Weise Disziplin, Pflichtbewusstsein und Zielstrebigkeit mit Herzenswärme, Loyalität und sozialer Intelligenz. Ihr Horoskop – Sonne in der Jungfrau mit Aszendent Steinbock – spiegelt sich in ihrer Persönlichkeit klar wider: Sie ist verlässlich, strukturiert, klar im Denken und Handeln, aber zugleich empathisch, humorvoll, bodenständig und genussfreudig. Sie verkörpert einen Führungsstil, der auf Verantwortung, Vorbildwirkung und Wertschätzung beruht – besonders gegenüber jungen Menschen, Auszubildenden und Mitarbeitenden.

Kindheit und Prägung

Aufgewachsen im schwäbischen Umland, lernte Eva-Maria Rühle früh, was Verantwortung bedeutet. Als Einzelkind, Tochter eines Großschlachthofleiters und einer bodenständigen Mutter, half sie in der Landwirtschaft und sammelte erste gastronomische Erfahrungen bei Vereinsfesten und in einem Gasthaus, das zu ihrem prägenden Ort wurde: dem „Hotel Schwanen“ in Metzingen. Dort wurde sie von der resoluten Seniorchefin geprägt – ihrer gastronomischen „Ziehmutter“.

Karriere und berufliche Meilensteine

Berufung statt Beruf

Gegen den Willen der Eltern entschied sie sich für die Gastronomie. Über die renommierte Hotelfachschule Bad Reichenhall und eine Ausbildung im Hotel Bachmair am Tegernsee startete sie ihre Laufbahn – mit großem Talent und Leidenschaft vor allem für den Servicebereich. Bald zog es sie hinaus in die Welt: In der Schweiz, Kanada und Mexiko arbeitete sie in internationalen Häusern, oft in Führungsrollen – stets getrieben von dem Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und Gastfreundschaft zu leben.

Stationen voller Verantwortung

Mit 21 übernahm sie Managementfunktionen, u. a. im legendären Banff Springs Hotel (Kanada) mit 1600 Betten. Es folgten Hotelstationen in der Schweiz, zuletzt zwölf Jahre als Hoteldirektorin in Davos – als einzige Frau unter vielen Männern. Dort bewies sie Durchsetzungsvermögen, Führungsstärke und eine feinfühlige Servicekultur, mit der sie anspruchsvolle Gäste wie Roberto Blanco, Josef Neckermann oder die Gründer der Firma Hugo Boss für sich gewann.

Rückkehr in die Heimat - mit Weitblick

Zurück in Bad Urach leitete sie gemeinsam mit ihrem Vater den Aufbau einer Reha-Klinik. Später kamen weitere Standorte in Bad Sassendorf und Bad Kissingen hinzu. Eva-Maria Rühle verantwortete das gesamte kaufmännische Management der drei Einrichtungen. Besonders betont sie die gute Zusammenarbeit mit ihren Teams und die Freude an der Entwicklung von Menschen.

Bildung, Disziplin und Menschlichkeit

Eva-Maria Rühle wurde bundesweit bekannt durch ihr jahrzehntelanges Engagement im DEHOGA, insbesondere als Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses. Sie war maßgeblich an der Neuordnung gastronomischer Ausbildungsberufe 1998 und 2022 beteiligt – oft gegen Widerstände. Ihr Credo: „Wir müssen junge Menschen da abholen, wo sie stehen – aber ihnen auch Orientierung und Disziplin geben.“ Service ist für sie bis heute ein Beruf mit Würde, und ihre Leidenschaft dafür hat sie vielen jungen Menschen vorgelebt und weitergegeben.

Funktionsträgerin mit Herz

Neben dem DEHOGA engagierte sich Eva-Maria Rühle auch als Hochschulratsvorsitzende der DHBW Ravensburg, als langjährige Prüferin bei der IHK, als ehrenamtliche Richterin im Arbeitsrecht und als Bildungsexpertin im DIHK. Sie war immer da, wo Veränderung möglich war – mit klarer Haltung, Offenheit und Witz.

Einflüsse und Inspirationen

Prägende Vorbilder und biografische Einflüsse

Ihr Vater, ein leidenschaftlicher Organisator und Förderer, der sie unterstützte – wenn auch oft in kritischer Auseinandersetzung. Seine Tätigkeit als Schlachthofleiter und seine Vision, Thermalquellen in Bad Urach zu erschließen, beeinflussten auch ihre spätere Tätigkeit als Klinikleiterin.

Genussmensch und Mentorin

Eva-Maria Rühle lebt Genuss – vom schwäbischen Kartoffelsalat bis zum Glas Wein, von der Käseplatte bis zum Sterne-Restaurant. Sie schätzt Hotels, guten Service und die kleinen Freuden des Alltags. Auch wenn sie nicht gerne selbst kocht, weiß sie, wie gutes Essen schmecken muss – und bringt das ihren Teams bei. Ihre stärkste Seite: ihre Herzensbildung. Viele junge Menschen verdanken ihr ihre Entwicklung, ihre Motivation – und bleiben ihr verbunden.

Vorbild für andere

Eva-Maria Rühle ist für Viele ein echtes Vorbild – gerade für Frauen in Führungspositionen, für junge Menschen in Ausbildung, für Quereinsteiger und Menschen, die Verantwortung übernehmen möchten, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Sie lebt vor, was sie fordert: Konsequenz, Haltung, klare Kommunikation, aber auch Humor, menschliche Nähe und Authentizität.

Ihr unermüdliches Engagement im DEHOGA, in Prüfungsausschüssen, im DIHK, in der Berufspolitik und als Mentorin beweist, dass sie nicht auf Wirkung, sondern auf Wirkungskraft zielt. Viele ehemalige Auszubildende und Mitarbeitende berichten heute noch dankbar davon, was sie ihnen „mitgegeben“ hat.

Was bleibt?

Eva-Maria Rühle möchte nicht belehren, sondern inspirieren. Mit klarem Blick, warmem Herz und der Bereitschaft, auch künftig junge Talente zu fördern und Wissen zu teilen, steht sie sinnbildlich für das, was das Gastronomische Gedächtnis Deutschlands bewahren will: eine gelebte Verbindung aus Erfahrung, Menschlichkeit und Zukunftsfreude.

Vermächtnis und Zukunft

Einschätzung der Veränderungen in der Gastronomie – und der Zukunft

Rühle betrachtet die Veränderungen in der Branche mit realistischem Blick und offenem Herzen. Sie erkennt den Wertewandel bei jungen Menschen, die oft „anders ticken“, und plädiert dafür, sie nicht mit alten Maßstäben zu überfordern, sondern dort abzuholen, wo sie stehen. Gleichzeitig ist sie überzeugt davon, dass Disziplin, Höflichkeit, Freude am Service und ein Gespür für Qualität nicht verhandelbar sind.

Sie war maßgeblich an der Neuordnung der gastronomischen Ausbildungsberufe beteiligt – auch gegen Widerstände – und spricht sich dafür aus, Serviceberufe aufzuwerten. Ihre große Sorge ist: Wenn wir nicht lernen, Qualität wieder zu schätzen – in der Sprache, im Umgang, in der Kulinarik –, verlieren wir das Rückgrat unserer Kultur.

Zukunft sieht sie dort, wo echte Begegnungen, individuelle Gastfreundschaft und Ausbildung mit Herz und Verstand möglich sind. Digitalisierung, Bachelorisierung oder Globalisierung sind für sie keine Bedrohung – sondern nur dann ein Fortschritt, wenn sie dem Menschen dienen.

Vermächtnis

Eva-Maria Rühle's Vermächtnis ist nicht nur ihre beeindruckende Lebensleistung, sondern vor allem ihr tiefes Verständnis für das Zusammenspiel von Professionalität, Bildung und Menschlichkeit. Sie hat Ausbildungsstrukturen geprägt, Generationen junger Menschen beeinflusst und Werte gelebt, die heute dringlicher denn je sind: Verantwortung, Freude an der Arbeit, Verbindlichkeit, Gastlichkeit.

„Ich möchte etwas hinterlassen, das bleibt – nicht in Form von Gebäuden, sondern in Köpfen und Herzen.“

Engagement für das Projekt „Gastronomisches Gedächtnis Deutschlands“

Eva-Maria Rühle ist bereit, sich mit ganzer Kraft in das Projekt „Gastronomisches Gedächtnis Deutschlands“ einzubringen – sowohl als Mentorin für junge Talente, als auch in beratender Funktion für die Konzeption einer Bildungsressource, die aus den biografischen Interviews entsteht. Sie bringt nicht nur Inhalte und Netzwerke, sondern auch Methodenerfahrung und pädagogisches Feingefühl mit.

Sie sagt klar: „Solange ich fit bin, bin ich bereit, mitzuhelfen, ich will noch etwas beitragen als Mentorin oder Beraterin im Rahmen des Projektes.“

Ihr Engagement und ihre Haltung machen sie zu einer Schlüsselfigur für die nächste Phase des Projekts, insbesondere für:

  • die Verbindung von Geschichte und Gegenwart
  • den Transfer von Erfahrungswissen in Bildungskontexte
  • die Motivation junger Menschen durch authentische Vorbilder

Lieblingsgericht: Schwäbischer Kartoffelsalat

Zutaten (für 4 Personen)

  • 1 kg festkochende Kartoffeln
  • 1 kleine Zwiebel (fein gewürfelt)
  • 250 ml Gemüse- oder Rinderbrühe (kräftig gewürzt)
  • 4 - 5 EL Weißweinessig (z.B. Kräuter- oder Apfelessig)
  • 3 - 4 EL neutrales Öl (z.B. Sonnenblumenöl)
  • 1 TL Senf (optional, aber oft verwendet)
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Prise Zucker
  • Frischer Schnittlauch oder Petersilie (zum Garnieren)

Zubereitung

  1. Kartoffeln mit Schale in Salzwasser kochen, bis sie gar sind (ca. 20 Minuten). Noch warm pellen und in dünne Scheiben schneiden.
  2. Die Zwiebelwürfel in etwas heißer Brühe glasig ziehen lassen (nicht rösten).
  3. Brühe, Essig, Öl, Salz, Pfeffer, Zucker und Senf zu einer warmen Marinade verrühren.
  4. Die Marinade über die warmen Kartoffeln geben. Alles gut vermengen und mindestens 30–60 Minuten durchziehen lassen (Zimmertemperatur, nicht im Kühlschrank!).
  5. Vor dem Servieren nochmals abschmecken und mit gehacktem Schnittlauch oder Petersilie bestreuen.

Anschrift

Gastronomische Akademie Deutschlands e.V.

Burgstraße 35

59755 Arnsberg

Kontakt

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Fax:+49 (0)2932 - 931 007

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